best - Beratungsstelle für Hörgeschädigte

Pädagogische Begründung

Bei jeder Prüfung werden die Leistungen der Teilnehmer*innen miteinander verglichen. Damit das Ergebnis dieses Vergleichs einigermaßen gerecht ausfällt, ist es notwendig, dass die Teilnehmer*innen mit den gleichen Voraussetzungen ins Rennen gehen. 

Es lohnt sich, die Prüfungsbedingungen auch in dem uns bekannten Schulsystem genau anzusehen, denn die Verletzung der Chancengleichheit ist hier weniger augenfällig.

Schüler*innen mit Hörschädigung zum Beispiel können bei manchen Prüfungen benachteiligt sein. Wenn die Prüfung etwa in einem mündlich geführten Gespräch, vielleicht sogar mit mehreren Teilnehmer*innen, durchgeführt wird, kann dies eine Benachteiligung darstellen. Aber auch bei schriftlichen Prüfungen kann sich für eine Person mit Hörschädigung eine Benachteiligung ergeben.

Letzteres mag auf den ersten Blick paradox klingen, weil in einer schriftlichen Prüfungssituation das verstehende Ohr an sich gar nicht benötigt wird, sondern nur das lesende Auge. Dazu muss man aber wissen, dass beides - das Verständnis über das Ohr und das Lesen - eng miteinander verbunden ist.

Dazu ein Vergleich aus der digitalen Welt: Spracherkennungssoftware "lernt" die Aussprache des Bedieners oder der Bedienerin und seinen bzw. ihren Wortschatz, während diese*r mit ihr arbeitet. Nach einer Trainingsphase kann die Software erkennen, was der*die Sprecher*in eingibt und sie ergänzt dieses "Wissen" laufend. Wenn allerdings die Aufnahmequalität nicht optimal ist, wird es auch das beste Programm nicht schaffen, die diktierten Wörter in annehmbarer Zeit richtig am Bildschirm darzustellen.

So ähnlich kann man sich auch den Spracherwerb bei einem Kind vorstellen und die Schwierigkeiten, die sich dabei bei Vorliegen einer Hörschädigung ergeben. Die unscharfe akustische Wahrnehmung kann zu einem mehr oder weniger großen Rückstand in der Sprachentwicklung führen. Wenn das der Fall ist, dann betrifft dieser Rückstand aber auch alle anderen Bereiche, die mit Sprache zu tun haben. So auch das Leseverständnis.

Wenn also eine Hörschädigung die Sprachentwicklung erschwert, dann ist es ein Gebot der Fairness, in der Schule zu versuchen, diesen Nachteil so gut es geht auszugleichen.